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«Wenn man einem Fehler nachstudiert, macht man gleich den nächsten»

  • vor 2 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

Bericht aus dem Frutigländer vom 21. Juli 2026


KANDERSTEG Dominik Herrmann wurde für seine Verdienste als Hockey-Schiedsrichter Mitte Juni mit dem Prix René Fasel geehrt. Der Kandersteger freut sich über die Anerkennung für sein langjähriges Engagement.


Der Prix René Fasel wird seit 2007 vom Hockeyverband verliehen. Die Auszeichnung wurde zu Ehren des Schweizers Dr. René Fasel ins Leben gerufen. Der ehemalige Hockeyspieler und Schiedsrichter amtierte von 1994 bis 2021 als Präsident des Eishockey-Weltverbandes

und war ab 1995 Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees. Dieser Preis hat für Schiedsrichter der Ligen im Amateurbereich einen hohen Stellenwert. Nebst der Urkunde erhält der Preisträger auch eine Uhr der Marke Tissot.


Dominik Herrmann wurde als 17-Jähriger von Walter Burri, dem damaligen Präsidenten des EHC Kandersteg, angefragt, ob er Schiedsrichter werden wolle. Herrmann sagte zu und absolvierte als Quereinsteiger einen Einführungskurs in Lyss; seine ersten Spiele pfiff er in der

4. Liga. «Das war ein Kaltstart», schaut er amüsiert zurück. Heute pfeift er jährlich

um die 60 Spiele in der 2. Liga und weitere 20 im Nachwuchs- oder Seniorenbereich.

Die Verleihung des Prix René Fasel ist für ihn ein Höhepunkt seiner Schiedsrichterkarriere.


Alles andere als Hockey im Kopf Herrmann wuchs nahe der Oeschinenbahn in Kandersteg auf. Obschon Vater Ernst Hockey spielte und Ehrenmitglied beim EHC Kandersteg ist, bevorzugte

sein Sohn das Skifahren. Er konnte zwar Schlittschuh laufen, hatte aber wenig Interesse am Mannschaftsspiel mit dem Puck. Er besuchte in Frutigen die Sekundarschule und erlernte den

Maurerberuf. Bereits 1999 trat er in den Dienst der Gemeinde Kandersteg ein, wo er seither im Team der Werkgruppe zu 100 Prozent als Wegmeister tätig ist. In dieser Funktion ist der 52-Jährige im Winter auch für die Schneeräumung zuständig. Unterbrüche sind herausfordernd

Bei den Spielen der 2. Liga sind immer zwei Schiedsrichter während der ganzen 60 Minuten Spielzeit auf dem Eisfeld. «Hockey ist immer schneller geworden», erzählt Herrmann. Schiedsrichter müssen die Regeln im Schlaf beherrschen und schnell und sicher auf den

Schlittschuhen sein. Theorie- und Eistraining für Schiedsrichter sind im Sommer

Pflicht. Die Kondition wird auf dem Laufband trainiert oder bei Fussmärschen mit «Göttihund» Wito.


Die Theoriekurse des Verbandes sind heute viel besser, und es steht Videomaterial für die

Schulung zur Verfügung. Herrmann geniesst den Respekt der Spieler und kann während der Matches oft deeskalierend wirken. «Besonders bei Unterbrüchen gehen die Emotionen hoch.» Es gelinge ihm, die Schlüsselspieler zu erkennen und diese im Auge zu behalten. Spürt er, dass etwas im Busch ist, bleibt er auf dem Eis bei den Spielern. Diese bemerkten die Nähe des

Schiedsrichters, deshalb komme es selten zu Rempeleien oder gar Schlägereien.

«Mein Ziel ist, dass die Jungs pro Match möglichst lange spielen können. Ich will sie nicht vom Eis oder gar unter die Dusche schicken.» Übersieht er als Schiedsrichter etwas oder trifft einen

falschen Entscheid, muss er dies sofort wegblenden und weiterhin konzentriert bleiben. «Wenn

man einem Fehler nachstudiert, macht man gleich den nächsten.»

Dominik Herrmann ist froh, dass er auch nach 32 Jahren als Unparteiischer noch alle Zähne hat. Die Helme sind für Schiedsrichter obligatorisch und schützen primär die Augen. Auf einen Zahnschutz verzichtet der grossgewachsene Mann bewusst: «Damit könne man nicht gut pfeifen.» Er trägt auf dem Eis Ellenbogen-, Knieschoner und Tiefschutz. «Es gibt schon mal blaue Flecken», so Herrmann, jedoch habe er bis heute noch nie eine gravierende Verletzung davongetragen.


Viel Zeitaufwand für Hockey und Schiesssport Der Kandersteger ist für sein Amt als Hockey-

Schiedsrichter unzählige Stunden und ebenso viele Kilometer unterwegs. Er pfeift bei Spielen in der ganzen Zentralschweiz. Die Anfahrt dauert manchmal zwei Stunden; 90 Minuten vor dem

Match ist er vor Ort, und danach reist er wieder nach Kandersteg. Nebenbei pfeift

er auch mal ein Spiel im Nachwuchs. «Da sind die Eltern emotionaler als die

Spieler», so Herrmann. Der Ehrgeiz sei auch bei Spielen der Senioren spürbar,

und er müsse ab und zu ein dickes Fell und viel Humor haben, um eine Situation

zu entschärfen. Als passionierter Schütze engagiert er sich zudem im Schützenverein als Jungschützenleiter. «Dafür mache ich mit meiner Partnerin im Frühjahr und im Herbst Wellnessferien», schmunzelt er. Ans Aufhören denkt er nicht. «Solange ich noch mithalten kann, bleibe ich dabei», sagt der Mann, der als Kind mit Hockey nichts am Hut hatte.


Bericht von: Beatrice Fridelance

 
 
 

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