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Nachwuchs im Fokus: Hier wächst die Zukunft des Oberländer Eishockeys

  • vor 17 Stunden
  • 4 Min. Lesezeit

Bericht aus dem Frutigländer vom 07. August 2026


Wenn auf der Kunsteisbahn Kandersteg Schlittschuhe über das Eis gleiten, Pucks über das Feld sausen und Trainer lautstark Anweisungen geben, dann ist wieder Eishockey-Sommercamp. Bereits im zweiten Jahr organisieren die Beo Yetis und der EHC Kandersteg das gemeinsame Camp für hockeybegeisterte Kinder und Jugendliche. Dass sich das Camp bereits weiterentwickelt hat, merkt auch Dominic Spieler, Nachwuchschef der Beo Yetis. «Organisatorisch haben wir viel gelernt. Die Abläufe sind klarer und viele Kinder, die bereits im vergangenen Jahr dabei waren, wissen heute schon, wie alles funktioniert», sagt er. Das erleichtere die Durchführung spürbar. Auch inhaltlich habe sich die Nachwuchsausbildung in den vergangenen Jahren stark verändert. «Der grösste Unterschied ist die Individualisierung. Früher trainierte ein Zwölfjähriger praktisch gleich wie ein Sechzehnjähriger. Heute wird jeder Spieler entsprechend seinen Stärken und Schwächen gefördert.» Gleichzeitig seien dadurch auch die Anforderungen an die Trainer deutlich gestiegen. Für Nachwuchssportlerinnen und -sportler gehören Eishockeycamps seit jeher zu den prägenden Erlebnissen ihrer Jugend. Dominic Spieler erinnert sich besonders an jene Trainingseinheiten, bei denen Prospieler auf dem Eis standen. «Das sind die Momente, die in Erinnerung bleiben. Sie prägen nicht nur für zehn Jahre Hockey, sondern für das ganze Leben.»



Das vielseitige Eishockeycamp

Rund 65 Kinder und Jugendliche nahmen in diesem Jahr am Camp teil, darunter 15 Goalies. Unterstützt werden sie von einem Trainerteam, dessen Grösse je nach Trainingstag variiert. Für Mathias Rösti, Nachwuchschef des EHC Kandersteg, liegt eine der grossen Stärken des Camps in den kurzen Wegen. «Wir haben hier eine Eishalle, eine Turnhalle, Tennisplätze und das Freibad praktisch nebeneinander. Diese Vielseitigkeit macht den Standort besonders attraktiv.» Der EHC Kandersteg stellt dabei einen grossen Teil der Infrastruktur zur Verfügung. Trainingsmaterial, Fahrzeuge und die Unterstützung zahlreicher Vereinsmitglieder tragen wesentlich zum Gelingen der Campwoche bei. «Ohne diese Zusammenarbeit wäre ein solches Camp kaum möglich», betont Rösti. Neben der individuellen sportlichen Ausbildung steht vor allem die Freude am Eishockey im Mittelpunkt. «Die Kinder sollen etwas lernen, aber gleichzeitig Spass haben», sagt Dominic Spieler. Das Camp setze bewusst auf einen abwechslungsreichen Mix aus intensivem Training, professioneller Betreuung und gemeinsamen Erlebnissen. Unterstützung erhält der Nachwuchs unter anderem von Powerskating-Coaches und Prospielern, welche ihre Erfahrungen weitergeben. Hinter dem gemeinsamen Projekt steckt jedoch mehr als eine Ferienwoche auf dem Eis. Beide Nachwuchschefs verfolgen ein langfristiges Ziel. «Ich wollte die Region Berner Oberland zusammenbringen und den Kindern überall dieselben Chancen bieten», erklärt Dominic Spieler. Auch Mathias Rösti ist überzeugt, dass der eingeschlagene Weg der richtige ist. Beide Vereine würden dieselbe Philosophie verfolgen und gemeinsam am Nachwuchs arbeiten. «Wenn alle in die gleiche Richtung gehen, funktioniert es», sagt Mathias Rösti. Die Verantwortlichen hoffen deshalb, das Camp auch in Zukunft weiterzuführen. Zwar bleibt man wegen der Eisproduktion mitten im Sommer stets vom Wetter abhängig. Die Motivation, den eingeschlagenen Weg gemeinsam weiterzugehen, ist bei beiden Vereinen jedoch deutlich spürbar. Während die Kinder konzentriert ihre Gruppentrainings absolvieren, mischen sich vier bekannte Gesichter unter die Gruppen. Finn Fuchs, Leon Neiger, Noel Riesen und Joshua Fahrni nehmen sich Zeit, korrigieren Laufwege, geben Tipps und feuern die jungen Spielerinnen und Spieler an. Für viele Campteilnehmende ist der direkte Kontakt zu den Pros einer der Höhepunkte der Woche. Dabei begann ihre eigene Hockeygeschichte ganz unspektakulär. Finn Fuchs fand über sein Umfeld zum Eishockey. «Viele meiner Kollegen und auch meine besten Freunde spielten Hockey. Sie haben mich mitgenommen und dann hat es mich ziemlich schnell gepackt», erzählt er. Auch Joshua Fahrni erinnert sich an seine ersten Schritte auf dem Eis. Gemeinsam mit seinem Bruder besuchte er die Hockeyschule in Wichtrach. «Dort hat eigentlich alles angefangen und das war mein Startschuss, der dazu führte, dass ich bis heute dem Eishockeysport treugeblieben bin.» An ihre ersten Eishockeycamps können sich beide nur noch teilweise erinnern. Eines ist ihnen jedoch geblieben: Wenn Prospieler das Training besuchten, war die Begeisterung jeweils besonders gross. Heute stehen sie selbst in dieser Rolle. «Es ist schön, den Kindern etwas mitzugeben und die erlebte Erfahrung teilen zu können», erzählt Finn Fuchs. Auch Joshua Fahrni erinnert sich gut daran, wie viel ihm solche Begegnungen als Kind bedeuteten. «Damals hatte ich Freude, wenn ein Pro ins Training kam. Heute macht es Spass, den Kindern etwas zurückzugeben.» Im Vordergrund steht für beide nicht nur die sportliche Entwicklung. «Es soll vor allem Spass machen», betont Finn Fuchs. Die Kinder würden freiwillig ins Camp kommen und genau diese Freude am Sport müsse erhalten bleiben. Joshua Fahrni sieht das ähnlich. «Das Wichtigste ist, dass man Freude daran hat. Dann investiert man automatisch am meisten. Wenn der Spass verloren geht, wird es schwierig.»



Mut, Schweiss, Tränen für die Karriere

Beide wissen aber auch, dass der Weg an die Spitze selten geradlinig verläuft. Rückschläge gehören zu jeder Karriere und Finn Fuchs spricht offen über schwierige Phasen bei verschiedenen Stationen seiner Laufbahn. «Es gab immer wieder Momente, in denen es nicht einfach war. Aber nach schlechten Zeiten kommen auch wieder gute und man muss geduldig bleiben.» Joshua Fahrni blickt auf Verletzungen und schwierige Momente zurück. «Man wird dadurch stärker. In der akuten Situation ist es mühsam, aber rückblickend helfen einem solche Erfahrungen weiter.» Trotz aller Herausforderungen verbindet beide dieselbe Leidenschaft. «Ich darf meinen Traum leben und jeden Tag Hockey spielen», sagt Finn Fuchs. Für Joshua Fahrni ist es vor allem das Gefühl, gemeinsam mit der Mannschaft aufs Eis zu gehen. «Wenn man eine Zeit lang verletzt ist und nicht spielen kann, merkt man erst, wie sehr man das Hockey vermisst.» Talent allein reiche jedoch nicht aus, sind sich beide einig. Fuchs misst der Persönlichkeit einen hohen Stellenwert bei. «Eine gute Einstellung und der Mensch neben dir im Team sind enorm wichtig.» Auch Joshua Fahrni sieht die Arbeitseinstellung als entscheidenden Erfolgsfaktor. «Talent wird oft überschätzt. Viel wichtiger ist, wie hart man arbeitet und wie man sich in ein Team integriert.» Für die Kinder in Kandersteg war der Besuch der Pros weit mehr als eine Trainingseinheit. Sie erhielten Einblicke in den Alltag von Spitzensportlern und lernten, dass hinter jedem Erfolg Geduld, Disziplin und Leidenschaft stehen – Werte, die weit über das Eishockey hinaus Bedeutung haben.


Bericht und Bilder von: Carina Seiler, vielen Dank für die Berichterstattung.

 
 
 

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